Radlager einbauen bei hydraulisch gebremsten Qek

  • Ich dachte mir, ich mach mal einen bebilderten Bericht zum Radlagertausch am Qek.


    Der Verfasser, nachfolgend "Ich" genannt weisst jedoch deutlich darauf hin, Sicherheitsrelevante Arbeiten sollten von einer Fachkraft ausgeführt werden. Ich übernehme keinerlei Haftung für irgendwas.


    Zu erst mal, Rad runter und Trommel ab. Sollte klar sein. Segering raus aus der Nähe und die Fettkappe abnehmen. Wer dort jetzt aber eine Mutter erwartet, Nope...

  • Die Mutter für den Achszapfen befindet sich auf der anderen Seite des Achsschenkels, in der Nähe der Stoßdämpferschraube. Sprint entfernen und die Kronenmutter mit einem 36er Schlüssel entfernen. Auf der Aussenseite kann evtl an den abgeflachten Seiten des Achszapfens gegengehalten werden.

  • Nun geht es mit der Radnabe zur Presse. Es geht auch zur Not mit dem Hammer, dies empfehle ich aber ausdrücklich NICHT. Ein Hammer kann nie einen Linearen, gleichverteilten Druck auf etwas abgeben. Lager und Hammer bei geschlossene Lagern, wie ich sie verwende werden keine Freunde. Mit dem Hammer werden nur Lagerhälften von Schrägrollenlagern in den Sitz getrieben. Und dann auch nur mit einem Negativstößel.Zwischen der Welle und der Presse sollte auch immer etwas sein was weicher ist als das Werkstück um es zu lösen. Ich neh einen Aluklotz. Der Ring auf dem Foto neben der Welle sitzt im Simmerring der Welle. Auf der einen Seite ging er von alleine runter, auf der anderen hab ich ihn vor dem auspressen der Welle mit dem Heißluftfön erwärmt.

  • Das äusserte, neue Lager nun i die Nabe einpressen. Ich nehme dazu eine Nuss, welche auf den Aussenkorpus des Lagers drückt, jedoch in die Nabe passt ohne zu haken. Ein Lag er niemals auf dem Innenring einpressen. Damit würde die Kugel und die Kugelbahn beschädigt.

  • Wenn das äußere Lager bis zum Sitz eingepresst ist (Druck der Presse geht hoch) drehe ich die Nabe um. Nun kommt der Distanzring hinein. Sollte wieder ein offenes Lager verwendet werden, genügend Fett mit einbringen. Ich nehme zwar geschlossene Lager, mache aber auch etwas Fett hinein. Wo Fett ist gibt es keine Korrosion. Dann wird das innere Lager eingepresst. Aber nicht bis zum Anschlag. Nur so tief das es die Distanzhülse im Inneren berührt, diese sich aber noch schieben lässt.

  • Nun wird die Achswelle wieder eingepresst. Dazu Stelle ich diese mit dem Gewinde nach oben, unten auf ein Aludrückstück. Die Nabe mit den Bolzen nach unten darüber und dann wird die Nabe mit einem geschlitzten Druckstück nach unten gedrückt. Nicht vergessen die Hülse zwischen den Lagern auszurichten. Die Hülse ist deshalb geschlitzt das ich sehe wann da Gewinde oben anschlägt und ich einen neuen Ring mit zwischenlegen muss. Gepresst wird natürlich auf dem Innenring. Wer keine einzelnen Ringe hat, nimmt ein Rohr. Aber bitte gerade und nicht schief abgeschnitten. Hier wird gedrückt bis die Presse Widerstand hat.

  • Nun die Nabe umgedreht auf den Schraubstock o.ä. legen um den Simmerring hinten einzubauen. Dazu wieder eine Hülse nehmen die auf den Rand des Ringes drückt. Ich baue den Ring mit dem Hammer ein, mache das aber auch fast wöchentlich. Sollte die Hülse welche über die Achswelle geschoben wird und als klemmung zwischen Achsschenkel und Lager dient Ei gelaufen oder beschädigt sein, habt ihr zwei Möglichkeiten. Entweder den Simmerring etwas tiefer einbauen oder die Hülse umdrehen. Ich habe die Hülse nur umgedreht. Den Simmerring aber auch leicht fetten beim einschieben der Hülse. Wie man sieht hatte meine Hülse leichte laufspuren. Diese sind durch das umdrehen nur weiter aussen.

  • Nun ist die Radnabe wieder fertig zum einbauen. Radnabe wieder in den Achsschenkel stecken, hinten die Scheibe wieder drauf, Kronenmutter anziehen und den Splint durch. Trommel und Rad drauf, Fertig.


    Ich hoffe diese Anleitung wird dem ein oder anderen helfen. Ich bin für Anregungen natürlich immer offen. Keiner ist Perfekt und man kann in unserem Beruf nur mit den Augen und Ohren klauen.


    In diesem Sinne!

  • Einer der das Wissen hat,.. zu dem was er tut! :thumbup:

    Schön beschrieben, voll Nachvollziehbar... denke auch für Leser die es noch nicht gemacht haben..


    2.. 3 Sachen die ich anders mache.. Der Simmerring kommt beim Lager ausbauen mit.. muss nicht unbedingt vorher raus... beim zusammen bauen lege ich die Nabe auf die Presse und drücke die Welle durch die Lager, die angewärmt fallen die Wellen von allein durch... Habe dazu eine Scheibe gedreht die außen leicht in die Nabe und innen Spiel auf der Welle hat.. als Auflage auf dem Pressentisch...

    Der neue Simmerring ist nicht nötig bei den 2RS früher ZZ Lagern... ich mache da auch innen wie außen in die Nabe etwas Fett wie Du rein und drücke die alten Simmerringe als "Staubschutz" wieder rein.. was eigentlich auch nicht nötig wäre nur zur "Beruhigung des Gewissens" dient.

    Bei offenen mit Fett geschmierten Lagern kommen die Simmerringe natürlich neu rein...


    Danke für deinen Bericht.


    Grüße

    Friedel72

  • Schön geschriebener Bericht.:thumbup: . Es zeigt aber auch das man dazu neben der Fachkenntnis entsprechendes Werkzeug und Maschinen benötigt. So mal schnell mit "Hämmerchen und Wagenheber" ist da nicht. War "live" dabei als mein hydraulischer Junior einmal "untenrum Vollsaniert" wurde. Gut das es noch HANDWERKER gibt die das beherrschen ......:)